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Glossar
Zum besseren Verständnis der auf meiner Webseite angebotenen Texte finden Sie hier eine Liste verschiedener Begriffe rund um Kundalini, Yoga und indische Mystik. Dieses Glossar basiert auf meinem neuen Werk Das grosse Kundalini Buch.
 
Abhinavagupta
(ca. 950 - 1015 n. Chr.)
 
Herausragender indischer Philosoph und tantrischer Meister. Bedeutendster Lehrmeister und Kommentator des Shivaismus von Kaschmir. Autor von u.a. Tantraloka, Tantrasara und Ishvara Pratyabhijna Vimarshini.
 
Adhikara
Befähigung, Qualifikation - die ein Schüler/eine Schülerin haben muss, um von einem Guru angenommen zu werden, bzw. um zur Sadhana tauglich zu sein.
 
Advaita Vedanta
Philosophie der Nicht-Dualität, Alleinheitslehre von Brahman (Absolutes) als dem einzig Wirklichen, Lehre von der Einheit von Seele und göttlichem Bewusstsein.
 
Ahamkara
wörtl. "Ich-Machendes, Ich-Macher", Ego-Ich, nach der ind. Philosophie von den vier psychischen Instrumenten dasjenige, welches die Vorstellung und Erfahrung der begrenzten menschlichen Individualität verursacht.
 
Ajna Chakra
Energiezentrum zwischen den Augen. Die aufsteigende Kundalini kann über dieses Chakra nur dann hinaussteigen, wenn sie den Befehl (Skt. ajna), bzw. die Erlaubnis, des Gurus erhält.
 
A-Ka-Tha-Dreieck
dreieckiges Energiezentrum im Sahasrara, das aus den Schwingungen aller Silben des Sanskrit-Alphabets besteht.
 
Amrita
Unsterblichkeitstrank, Ambrosia, himmlischer Nektar
 
Anugraha
Segen, Gnade - wird nach yogisch-tantrischer Auffassung hauptsächlich vom Guru (im Moment des Shaktipat) gewährt
 
Asana
wörtl. "Sitz", 1. Hathayoga-Stellung, die Yogatexte beschreiben 84 solcher Stellungen, 2. Sitz, Decke oder Matte, auf der der Yogi sitzt.
 
Avadhuta
Erleuchteter, der u.a. durch sein unkonventionelles, wundersames Verhalten auffällt.
 
Bhagavad Gita
"Gesang des Erhabenen", bekanntestes ind. Werk spiritueller Literatur, Teil des Epos Mahabharata.
 
Bhakta
Gläubiger, einer der Gott oder dem Guru in liebevoller Hingabe ergeben ist.
 
Bhakti
Hingabe, Liebe an Gott oder den Guru.
 
Bhakti Yoga
Yoga der liebevollen Hingabe, ein Weg zur Vereinigung mit Gott, der auf Liebe und Hingabe gründet.
 
Bhuta-Shuddhi
Yoga-Praktik, bei der die im Inneren befindlichen Elemente (Bhuta) gereinigt, sublimiert bzw. eines im anderen (das gröbere im jeweils feineren) aufgelöst werden.
 
Bija
wörtl. "Keim, Samen", ein Bija oder Bija-Mantra ist eine Keim-Klang-Formel, ein einsilbiges Mantra, das wie ein Keim, die gesamte Potenz des entfalteten Mantras enthält.
 
Bindu
wörtl. "Tropfen, Punkt" - der winzige Punkt, in dem die gesamte "Masse" der Shakti in undifferenzierter Form enthalten ist.
 
Brahma
Schöpfergott, bzw. in der indischen Dreifaltigkeit der Aspekt, der Gott als Schöpfer darstellt.
 
Brahman
die absolute Wirklichkeit, das absolute, ewige, göttliche Bewusstsein.
 
Brahmarandhra
subtiles Energiezentrum am Scheitelpunkt des Kopfes, am oberen Ende der Sushumna-Nadi.
 
Chaitanya
"bewusst, lebend, lebendig", auch "(höchstes) Bewusstsein".
 
Chakra
wörtl. "Rad", großes und wichtiges Energiezentrum oder Nervengeflecht im subtilen Körper. Wenn die Kundalini erweckt ist, durchdringt und reinigt sie diese Energiezentren, die auf einer Linie vom unteren Ende der Wirbelsäule bis zum Scheitelpunkt des Kopfes verlaufen.
 
Chitta-Vritti
Bewegung, Veränderung, Gedanken-Welle im menschlichen Geist.
 
Diksha
Einweihung, Initiation, Erweckung.
 
Gorakhnath
(auch Gorakshanath)
erster historischer Meister und Begründer der yogisch-tantrischen Tradition der Nathas, Autor bedeutender Yoga-Werke, u.a. der Siddha Siddhanta Paddhati, des Gokaksha Shataka, Yogabija, Amaraugha Shasana.
 
Goraksha Shataka
"hundert Verse des Goraksha", wichtiges Werk Gorakhnaths über Hatha- und Kundalini-Yoga.
 
Granthi
wörtl. "Knoten", Energie-Knoten, die an drei wichtigen Verbindungspunkten im feinstofflichen Körper entlang der Sushumna-Nadi vorkommen. Diese Granthis - Ansammlungen karmischer Spuren - müssen von der Kundalini (wie die Chakras) durchstoßen und aufgelöst werden.
 
Guna
grundlegende Eigenschaft der Natur; die drei Gunas sind: Sattva (Reinheit, Licht), Rajas (Aktivität, Leidenschaft) und Tamas (Dumpfheit, Trägheit).
 
Guru
spiritueller Meister, der in der dauerhaften und unmittelbaren Erfahrung des Göttlichen bzw. höchsten Selbst lebt und der geeigneten Schülerinnen und Schülern durch Einweihung (Shaktipat-Diksha) und Führung auf ihrem spirituellen Weg zur höchsten Vollkommenheit und Befreiung verhelfen kann.
 
Hatha Yoga
Weg der körperlichen Übungen, die den Körper reinigen und stärken sollen, um so die Kundalini zu erwecken bzw. ihre Erweckung vorzubereiten.
 
Hatha Yoga Pradipika
grundlegendstes Werk über Hatha Yoga.
 
Hridaya
"Herz", wichtiges spirituelles Zentrum, nach Auffassung vieler spiritueller Werke der Sitz der menschlichen Seele.
 
Ida
eine der drei wichtigsten feinstofflichen Kanäle (Nadi), die auf der linken Seite verlaufende, kalte Mond-Nadi.
 
Jada
"leblos, tot", so werden Mantras bezeichnet, die nicht von einem erleuchteten Meister oder einer Yoga-Tradition stammen und daher nicht mit Bewusstseinskraft (Shakti) aufgeladen sind.
 
Japa
wörtl. "ein Gebet, das mit gedämpfter Stimme gesprochen wird", Wiederholung eines Mantras, entweder laut oder leise.
 
Jiva
individuelles, begrenztes Selbst, Seele.
 
Jivanmukta
wörtl. "ein im Leben Befreiter", jemand der/die Erleuchtung noch zu Lebzeiten erfährt.
 
Jnana
"Wissen, Erkenntnis".
 
Jnaneshvar
wörtl. "Herr des Wissens", Bedeutendster aller Heiligen in Maharashtra; Siddha-Guru, Kundalini-Meister und Philosoph. Autor mehrerer umfangreicher philosophischer und poetischer Werke. Sein bekanntestes Werk ist die Jnaneshvari, ein äußerst umfangreicher Kommentar zur Bhagavad Gita.
 
Jnaneshvari
auch als Bhavartha Dipika bekannt; diesen mehrere tausend Verse umfassenden Kommentar zur Bhagavad Gita schrieb Jnaneshvar im Alter von sechzehn Jahren. Es war das erste Werk, das in Marathi, der Sprache der Menschen in Maharashtra, geschrieben wurde.
 
Kabir
(1440 - 1518)
Bedeutender und wohl bekanntester indischer Mystiker und Dichter, lebte in Benares und war von Beruf Weber. Seine große Anhängerschaft besteht sowohl aus Moslems als auch Hindus. Hinterließ eine Vielzahl von Gedichten und Gesängen, die sich noch heute in aller Welt großer Beliebtheit erfreuen.
 
Kalavati
Eine der Kategorien der Manifestationen der erwachten Kundalini. Beinhaltet Erfahrungen der Reinigung und Auflösung des inneren Kosmos (Mikro-Kosmos).
 
Kama
sexuelle Liebe, Lust, weltliches Verlangen.
 
Karma
wörtl. "Handlung, Tat", bezeichnet 1. jede Handlung, die körperlich, sprachlich oder gedanklich ausgeführt wird, 2. das Schicksal oder die Lebensumstände, hervorgerufen und geprägt durch frühere Handlungen, bzw. Taten in früheren Leben. Es werden drei Arten von Karma unterschieden: a.- das Karma, das bereits begonnen hat zu wirken, b.- das Karma, das in der Zukunft wirken wird, c.- das Karma, das im Moment bzw. in diesem Leben geschaffen wird. Das karmische Gesetz ist das Gesetz von Ursache-Wirkung (Kausalitätsgesetz).
 
Karma Yoga
der Yoga-Weg des rechten Handelns - ein spiritueller Weg, bei dem der Betreffende handelt 1. ohne sich selbst als den eigentlich Handelnden zu betrachten und 2. ohne nach der Frucht (Skt. phala), bzw. dem Ergebnis der Handlung, zu trachten.
 
Kaula
Name einer alten tantrischen Tradition, in der die Shakti eine zentrale Rolle spielt.
 
Kriya
wörtl. "Handlung", gemeint sind die reinigenden Handlungen oder Bewegungen der Kundalini im grobstofflichen und feinstofflichen Körper (bzw. die Auswirkungen hiervon), die der Yogi als z.T. sehr intensive Erfahrungen auf körperlicher, geistiger oder emotionaler Ebene erlebt.
 
Kriyavati
Eine der Kategorien der Manifestationen der erwachten Kundalini. Beinhaltet Erfahrungen wie spontane Hatha-Yoga-Stellungen (Asanas, Bandhas, Pranayama und Mudras) und andere Kriyas, bei denen insbesondere der Körper betroffen ist.
 
Kshemaraja
berühmter Schüler von Abhinavagupta, ebenfalls ein Siddha und Philosoph, schrieb einen bekannten Kommentar zu den Shiva Sutras, verfasste das Pratyabhijna Hridayam und andere bedeutende Werke des Shivaismus von Kaschmir.
 
Kularnava Tantra
eines der bekanntesten und bedeutsamsten Tantras, shivaitische Abhandlung über Themen wie: der Guru, die Guru-Schüler-Beziehung, das Mantra, die traditionellen Formen der Gottes-Verehrung.
 
Kundalini
wörtl. "die Zusammengerollte, Aufgerollte", die kosmische Energie, die sich in jedem Menschen schlafend im Muladhara-Chakra, am unteren Ende der Wirbelsäule, befindet. Wenn sie erwacht beginnt sie alle Bereiche des grobstofflichen und vor allem feinstofflichen Körpers zu reinigen. Sie entfaltet ihr gesamtes kosmisches Potential, steigt durch den Zentralkanal aufwärts und durchstößt dabei die verschiedenen Chakras, um schließlich zu ihrem Ziel, dem Tausendblättrigen Lotos (Sahasrara) im Scheitelpunkt des Kopfes, zugelangen. Dort findet die Vereinigung der individuellen Seele mit dem höchsten Selbst statt. Hierdurch erlangt der Yogi den Zustand der Selbstverwirklichung, Befreiung bzw. Erleuchtung.
 
Kundalini Stava
12-strophige Hymne an die Kundalini, kraftvoller Gesang, mit dem der Yogi direkt die höchste kosmische Kraft/Macht anruft.
 
Mala
wörtl. "Makel, Unreinheit", Terminus der shivaitischen Philosophie, der beschreibt, wie das höchste Bewusstsein zum individuellen Bewusstsein begrenzt wird, nämlich durch die Erfahrung des Getrennt-Seins vom allumfassenden Bewusstsein (Anava-Mala), des Verschieden-Seins von allem was existiert (Mayiya-Mala) und des Empfindens von Täter-schaft (Karma-Mala).
 
Mandala
wörtl. "Scheibe, Kreis", geometrische Form, die mit einem bestimmten Schöpfungsprinzip (Tattva) in Verbindung steht bzw. dieses repräsentiert.
 
Mantra
heiliges Wort, göttlicher Klang, Name Gottes, oder ganz allgemein: eine klangliche Manifestation dessen, der (die/das) mit dem Mantra angerufen wird. Wird ein Mantra (leise oder laut) wiederholt, offenbart sich die darin enthaltene Kraft. Mantras können denjenigen, der es wiederholt, beschützen, reinigen oder gar befreien.
 
Maya
kosmische Kraft der Illusion, welche die wahre Natur des Selbst verdeckt und das Gefühl von Getrenntheit und Verschiedenheit hervorruft, lässt das menschliche Individuum das Unreale für das Reale halten und das Vergängliche für das Ewige.
 
Moksha
Befreiung, Erlösung vom Kreislauf der Geburten, Tode und Wiedergeburten. Zustand der höchsten Verwirklichung und Einheit mit dem absoluten Bewusstsein.
 
Mudra
wörtl. "Siegel". 1. Verschiedene Hatha-Yoga-Praktiken, mit denen der Yogi den Prana im Körper behalten kann. Die Kundalini wird bei diesen Praktiken in die Sushumna-Nadi gelenkt. 2. Symbolische Gesten oder Bewegungen der Hände, durch die innere Empfindungen oder Eigenschaften zum Ausdruck kommen - oder umgekehrt, durch die solches Empfindungen oder Eigenschaften hervorgerufen werden sollen. 3. Nach dem Shaktipat erhalten wurde, treten diese Mudras auch spontan auf.
 
Muladhara(-Chakra)
Chakra am unteren Ende der Wirbelsäule, hier liegt die Kundalini im schlafenden Zustand.
 
Mumukshutva
Verlangen nach Befreiung, gilt als wesentliche Voraussetzung zur Schülerschaft, bzw. Befähigung zu Sadhana.
 
Nada
verschiedenartiger, göttlicher Klang, der vom Yogi im Inneren wahrgenommen wird.
 
Nadi
feinstofflicher Kanal, durch den der Lebenshauch bzw. die Lebenskraft (Prana) fließt. In den Yoga-Texten werden eine Vielzahl (72.000) von Nadis genannt, von denen Ida, Pingala und Sushumna die größten und wichtigsten sind.
 
Nath
(auch Natha, Natha-Yogi oder Natha-Siddha)
wörtl. "Herr", Vertreter einer der wohl bekanntesten und einflussreichsten tantrischen Traditionen; dem Wirken der Naths ist es zu verdanken, dass der Hatha- und Kundalini-Yogas seit dem frühen Mittelalter in Indien stetig an Popularität gewann und über die Landesgrenzen bekannt wurde.
 
Nila Bindu
(Blaue Perle)
wörtl. "blauer Tropfen/Punkt", wird auch als Nileshvari ("blaue Göttin") bezeichnet, strahlendes blaues Licht von der Größe eines Samenkorns, das hoch entwickelte Yogis in der Meditation sehen, identisch mit dem innersten und höchsten aller Körper dem Suprakausalkörper (Mahakarana-Sharira); diese Erfahrung wird als die höchste und letzte vor dem Eintreten in das absolute Bewusstsein erachtet.
 
Nirguna
wörtl. "eigenschaftslos, das Eigenschaftslose", beschreibt das höchste Bewusstsein, aber auch eine Form der Bhakti (Nirguna Bhakti), bei der sich die Liebe und Hingabe auf ein Göttliches richtet, das weder Persönlichkeit noch Eigenschaften besitzt; der Dichter-Heilige Kabir war einer der bekanntesten Vertreter dieser Form der Bhakti.
 
Om
uranfänglicher Klang, Ur-Schwingung, aus der das gesamte Universum hervorgegangen ist.
 
Parama Shiva
wörtl. "höchster Shiva", im Shivaismus von Kaschmir eine Bezeichnung für das höchste Bewusstsein.
 
Patanjali
großer Weiser und Autor der berühmten Yoga Sutras, des grundlegenden Textes des klassischen Yoga-Systems, das eine der sechs orthodoxen Philosophien Indiens (Darshanas) ist.
 
Pingala
eine der drei wichtigsten feinstofflichen Kanäle (Nadi), die auf der rechten Seite verlaufende, heiße Sonnen-Nadi.
 
Prana
die Lebensenergie des Körpers, wird mit dem Atem und der Nahrung aufgenommen.
 
Pranayama
yogische Technik, die in der systematischen Zurückhaltung und Regulierung des Atems bzw. der mit ihm verbundenen Energie besteht, was u.a. zur Beruhigung und Stärkung des Geistes führt.
 
Pratya Bhijña
wörtl. "Wieder-Erkennen", philosophische Schule innerhalb des Shivaismus von Kaschmir, die Erleuchtung oder Befreiung als einen Prozess oder Akt des Wieder-Erkennens oder Wieder-Erinnerns der wahren eigenen Natur beschreibt.
 
Pratyabhijna Hridayam
wörtl. "Herz des Wieder-Erkennens", Abhandlung, in der die gesamte Philosophie und Lehre der Pratyabhijna in aller Kürze zusammengefasst ist; dieses Werk wurde von Kshemaraja verfasst.
 
Shabda
göttlicher Klang, Wort des Gurus.
 
Sadguru
"wahrer Guru", der wahre, einzigartige Meister, der dem Schüler/der Schülerin durch Einweihung, bzw. Übertragung seiner Shakti, zur Befreiung verhilft.
 
Sadhaka
jemand der Sadhana praktiziert, bzw. sich auf dem spirituellen Weg befindet.
 
Sadhana
1. der spirituelle Weg, die spirituelle Disziplin, 2. das Praktizieren geistiger und körperlicher Übungen, die die Grundlage des spirituellen Weges bilden.
 
Sahaja
(auch Sahaja-Samadhi,
Sahaja-Avastha)
wörtl. "selbst-geboren, spontan", bezeichnet den natürlichen, d.h. immerwährenden und von keinen äußeren Bedingungen abhängigen, Samadhi. Dies ist der Zustand eines Siddha, Jivanmukta oder Avadhuta. In diesem Zustand wird alles als Manifestation des höchsten Bewusstseins erfahren.
 
Sahasrara
der tausendblättrige Lotos auf bzw. über dem Scheitelpunkt des Kopfes, das höchste spirituelle Zentrum, wo die Vereinigung von individueller Seele und höchstem Selbst stattfindet.
 
Shakti
allumfassende, kosmische Kraft/Macht, die die gesamte Schöpfung aus sich selbst hervorbringt und die sich in jedem noch so winzigen Teil ihrer Schöpfung mit ihrem gesamten kosmischen Potential befindet.
 
Shaktipat
wörtl. "das Herabfallen der göttlichen Gnade (bzw. der göttl. Segenskraft)", Übertragung der Kraft/Macht des Gurus auf den Schüler/die Schülerin, wodurch die Kundalini erweckt wird.
 
Samadhi
Zustand der Versenkung, Verschmelzung mit dem absoluten Bewusstsein.
 
Samsara
weltliche Existenz, Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt
 
Samskara
latente Neigung oder unterbewusste mentale Disposition, die durch ein Ereignis in einem vorangegangenen Leben verursacht wurde.
 
Sankalpa
Gedanke, Wunsch, Wille.
 
Shankara
(auch Shankaracarya:
788 - 820 n. Chr.)
bedeutender und wohl bekanntester indischer Philosoph Indiens. Begründete die Philosophie der "absoluten Nicht-Zweiheit" (Advaita-Vedanta). Verfasste viele namhafte Werke, wie das Viveka Chudamani ("Kleinod der Unterscheidung") und gründete den zehn-zweigigen Swami-Orden der Dasha-Nami mit den dazugehörigen vier großen Ashrams (Math) im Norden, Süden, Osten und Westen Indiens - dem Sitz der auch heute noch einflussreichen und mächtigen vier Shankaracaryas.
 
Sharira
Körper, körperliche Hülle - von denen der Mensch insgesamt vier besitzt (Synonym: Deha).
 
Shat Chakra Nirupana
wörtl. "Untersuchung der sechs Chakras", der elementarste Text über die sechs Energiezentren im Menschen, im 16. Jahrhundert verfasst von Purnananda Swami; in den westlichen Ländern wurde er Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt durch das Werk "The Serpent Power (Die Schlangenkraft)" von Sir John Woodroffe, das eine Übersetzung und ausführliche Erläuterung des Shat Chakra Nirupana enthält.
 
Seva
selbstloses Dienen; Arbeit, die Gott oder dem Guru gewidmet ist.
 
Siddha
wörtl. "der [das Höchste] erlangt hat", der Vollkommene, jemand dessen Identifikation mit dem Ego-Ich aufgehört hat und der für immer im Zustand der höchsten Einheit lebt.
 
Siddha Guru
ein Siddha, der die Befähigung und den Auftrag (von seinem eigenen Guru) hat, spirituell Suchende und entsprechend Befähigte durch Shaktipat-Diksha und äußere sowie innere Führung zu ihrer jeweils eigenen höchsten Vollkommenheit, dem Zustand eines Siddhas, zu geleiten.
 
Siddha Siddhanta Paddhati
grundlegendes Werk der Nathas, in dem viele Themen, die den Kundalini-Yoga betreffen, behandelt werden.
 
Siddhi
spiritueller Erfolg, übernatürliche Befähigung oder Kraft, wie z.B. Gedanken lesen, Hellsichtigkeit, die Fähigkeit Dinge zu materialisieren, usw.
 
Shiva
1. Name für die eine höchste Wirklichkeit, bzw. das allumfassende Bewusstsein, 2. in der Hindu-Dreifaltigkeit der Gott der Zerstörung. Wird als Herr aller Yogis und Asketen erachtet.
 
Shiva Sutra
fundamentales Werk des Shivaismus von Kaschmir, Sanskrit-Text aus dem 9. Jahrhundert, bestehend aus 77 Sutras (Lehrsätze), in dem die grundlegenden Lehren dieser Philosophie und mystischen Tradition dargelegt sind.
 
Shivaismus von Kaschmir
monistische Philosophie, die das gesamte Universum als eine Manifestation der Shakti, der göttlichen Energie des höchsten Bewusstseins (Shiva), beschreibt. Diese einzigartige Philosophie wurde zu Beginn des 9. Jahrhunderts von einer Tradition von Siddhas dargelegt und an einige spirituell hoch Begabte weiter gegeben.
 
So´ham
(So´ham-Mantra, Hamsa-Mantra)
wörtl. "Ich bin Er / Ich bin Das", es ist das Mantra, das aus den natürliche Schwingungen besteht, die mit dem Aus- und Einatmen auftreten. Durch So´ham wird sich der Yogi seiner wahren Identität bewusst.
 
Spanda
Schwingung, Schwingungsenergie.
 
Sushumna(-Nadi)
Die wichtigste aller Nadis, der Zentral-Kanal, der sich vom Muladhara bis zum Sahasrara erstreckt und in dem sich die Kundalini ihren Weg nach oben bahnt.
 
Sutra
kurzer Lehrsatz, Aphorismus - eine Komprimierung von Lehren in einem einzigen knappen Satz (meistens nur aus Nomina bestehend, Sutras sind daher häufig nur mit Hilfe eines Kommentars verständlich). Ein umfassendes philosophisches System kann so durch eine Sammlung von nur wenigen Sutras ausgedrückt werden.
 
Tantra
göttlich offenbarte, heilige Schrift der Shaiva-Tradition, meistens in Form eines Dialoges zwischen Shiva und Parvati; behandelt in der Regel das Geheimnis der Selbst-Verwirklichung durch die Erweckung der Kundalini.
 
Tattva
Schöpfungsprinzip, Schöpfungsebene, dem Shivaismus von Kaschmir zufolge gibt es 36 Tattvas - vom höchsten (Parama Shiva) bis zum niedrigsten (P?thivi, die Erde).
 
Tukaram
(1608 - 1650 n. Chr.)
bedeutender und heute noch populärer Mystiker und Dichter-Heiliger aus Maharashtra, verfasste unzählige Lieder und Gedichte (Abhangas), in denen er seine Sehnsucht nach Gott, seine spirituellen Erfahrungen und schließlich seine höchste Verwirklichung beschreibt
 
Ulta Sadhana
wörtl. "Sadhana der Umkehrung", die Sadhana bzw. Praktik, bei der - ähnlich wie bei der Bhuta-Shuddhi - der Mikrokosmos durch das sukzessive Aufgehen des Gröberen in das Subtilere (entspricht dem Aufsteigen der Kundalini-Shakti im feinstofflichen Körper) aufgelöst und seinem Ursprung zugeführt wird.
 
Upanishad
wörtl. "in der Nähe und darum herum sitzen" - diese wörtliche Bedeutung zeigt die typische, archaische Lehrsitution, bei der der Schüler direkte Unterweisung vom Meister erhält und es entspricht auch der Form, in der die Upanishaden verfasst sind: es handelt sich um didaktische Lehrgespräche zwischen Meister und Schüler. Die Upanishaden sind mystische Texte, die auf die unmittelbare Erfahrung und Eingebung der alten Weisen Indiens beruhen. Formal bilden sie den Schlussteil der Veden und sind die Grundlage der vedantischen Philosophie.
 
Vac
Sprache, Wort, auch Sprach-Ebene - nach tantrischer Auffassung gibt es vier Sprachebenen, die sich unmittelbar auch im Körper des Menschen manifestieren
 
Varnamayi
eine der vier Kategorien für die Manifestationsarten der erweckten Kundalini. Beinhaltet Erfahrungen von lautlichen Kriyas, wie spontanes Singen oder Wiederholen von Mantras (die dem Betreffenden bisher völlig unbekannt waren) aber auch plötzlich auftretende, diverse künstlerische Fähigkeiten, und ähnliche Phänomene.
 
Vasana
Eindruck im Unterbewusstsein, der auf eine bestimmte Handlung zurückgeht - solche Eindrücke werden nach yogischer Auffassung im feinstofflichen Körper gespeichert und manifestieren sich in einem späteren Leben als Grundlage für entsprechende psychische Dispositionen (Samskaras), die den Menschen zu bestimmten Handlungsweisen regelrecht zwingen.
 
Veda
wörtl. "Wissen", die vier Veden (Rig-Veda, Sama-Veda, Yajur-Veda, Atharva-Veda) gehören zu den ältesten heiligen Schriften der Menschheit. Sie werden als göttlich offenbarte, ewige Wahrheit und Weisheit erachtet.
 
Vedhamayi
 
Vijnana Bhairava
wörtl. "göttliches Bewusstsein", ein ungewöhnliches Tantra des Shivaismus von Kaschmir, in dem 112 kontemplative Praktiken (Dharana) beschrieben werden, mit denen man in die unmittelbare Erfahrung des höchsten Bewusstseins gelangen kann.
 
Vikalpa
(zwiespältiger) Gedanke, geistige Aktivität, Denken auf der Grundlage von Dualität.
 
Viveka Darpana
"Spiegel der unterscheidenden Betrachtung", umfassendes philosophisches aber auch praxisbezogenes Werk der Natha-Yogis in Maharashtra (ca. 11. Jh.) , in dem viele yoga- und sadhana-relevanten Themen behandelt werden, wie z.B. das höchste Bewusstsein, das individuelle Selbst, die Kundalini-Erweckung, die Guru-Schüler-Beziehung, der (Bewusstseins-)Zustand des Siddha, verschiedene Yoga-Praktiken, etc.
 
Yantra
Symbolgestaltung, Hilfsmittel zu Kontemplation und Meditation, geometrische Darstellung einer Gottheit.
 
Yoga
wörtl. "Vereinigung", spiritueller Weg und religiöse Disziplin, die zu einem beständigen Geist verhelfen, zur Loslösung von Verhaftungen und Bindungen - und letztendlich zur beständigen Erfahrung der Vereinigung mit dem höchsten Selbst.
 
Yoga Sutra
grundlegender Text des klassischen Yoga-Systems, Sammlung von Aphorismen, die ca. im vierten Jahrhundert von Patanjali verfasst wurden. Sie erläutern verschiedene Methoden, den Zustand der vollkommenen Einheit (Yoga) zu erreichen, bei dem die Wellen des Geistes (Citta-Vritti) zum Stillstand kommen und der Zeuge des Geistes in seiner eigenen Glückseligkeit ruht.
 
Yoga-Bhrashta
wörtl. "vom-Yoga-Gefallener", bezeichnet jemanden, der bzw. die in einem früheren Leben intensiv Yoga-Sadhana betrieben hat, doch vor dem Erreichen des Zieles - der letztendlichen Befreiung - gestorben ist. Eine solche Person wird mit einem beträchtliche spirituellen Potential - eben dem bisher erlangten - wiedergeboren und beendet ihre Sadhana häufig in kürzester Zeit.
 
  
 
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