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Die zwei fundamentalen Yogawege
Yoga hat zwei grundlegende Ausrichtungen: 1. das klassische Yogasystem des Philosophen
Patanjali und 2. der tantrische Yoga, dem mehrere Yoga-Traditionen zuzuordnen sind.
Das klassische Yogasystem, auch 'Achtgliedriger Yoga' (skt. Ashtanga Yoga) genannt, beruht auf den
Yogasutras des Yogis und Philosophen Patanjali. Die Philosophie des klassischen Yoga ist dualistisch,
d.h. sie geht von zwei Prinzipien in dieser Welt aus, die von einander getrennt sind:
Geist und Materie. Infolge dessen besteht das Ziel des klassischen Yogis darin, zu realisieren,
dass der Geist bzw. die Seele von der Materie oder der Welt verschieden ist. Durch die Realisierung
der prinzipiellen Verschiedenheit von Geist und Materie erlangt man auf dem Wege des klassischen
Yogasystems die höchsten Befreiung.
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Der tantrische Yogaweg hingegen ist nicht-dualistisch. Daher lautet die Grundformel hier: das
allumfassende, göttliche Bewusstsein ist identisch mit seiner Schöpfung, mehr noch - die
individuelle Seele ist identisch mit dem höchsten, göttlichen Bewusstsein. Die Tantras und
Yoga-Upanishaden, die die Textgrundlage zu diesem Yogaweg bilden, lehren uns daher seit
Jahrhunderten, dass es unser Geburtsrecht, ja geradezu unsere Pflicht sei, das in uns
befindliche göttliche Potential zur vollkommenen Entfaltung zu bringen - so wie eine Knospe
im Laufe der Zeit zu einer prächtigen Rose heranwächst oder eine Raupe verschiedene Stadien
durchläuft und sich schließlich zu einem Schmetterling aufschwingt. Das, wonach wir uns
sehnen, so lehren uns die Texte des tantrischen Yoga, tragen wir bereits in uns - wir sind
bereits das, wonach wir suchen, wir müssen uns nur daran erinnern.
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Beide genannten Yoga-Wege haben ihre Berechtigung, beide haben die Autonomie und Freiheit
des Individuums zum Ziel. Dabei baut das jüngere, tantrische Yogasystem auf den älteren,
achtgliedrigen Yoga auf, ist dem Menschen der heutigen Zeit allerdings angemessener.
Denn der Weg des tantrischen Yoga schließt alles im Leben vorhandene auf harmonische
Weise zur Entwicklung des Suchenden ein und nutzt das Leben in all seiner Reichhaltigkeit
und Widersprüchlichkeit.
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